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EINSCHLAFEN - TRAUM ODER ALBTRAUM?

[Autorin: Amila, Lesezeit: 6 Min]

Sehr früh nach der Geburt wirst du merken, wie dominant das Thema Babyschlaf und einschlafen wird. Ich möchte gerne von meinen Erfahrungen dazu berichten und von meinem Resümee nach drei wunderschönen Jahren Mamasein. 


In Gedanken hast du dir sicher schon ausgemalt wo dein Baby mal schlafen soll. Da gibt es viele Möglichkeiten:


1. im eigenen Kinderzimmer im Bett

2. im Elternschlafzimmer im eigenen Bett

3. im Beistellbett oder vielleicht auch 

4. im Familienbett


Auch vom Einschlafen und den Ritualen dazu hast du sicher schon eine Vorstellung und Ideen, wie das ablaufen wird. Vielleicht so: gemütlich in die Badewanne, danach ein Fläschchen oder die Brust und dann ab ins Bett. Küsschen, Licht aus, gute Nacht. Wir sehen uns zum Milchtrinken wieder. Mag sein, dass es tatsächlich Familien gibt, wo das so abläuft und auch funktioniert, aber wie viele sind das wirklich- und vor allem um welchen Preis?


Neidisch blickte ich immer auf die eine Mutter, die erzählte, dass ihr Sohn (genauso alt wie meine Tochter) auf diese Weise einschlief und durchschlief. Wie sie erzählte klang es nicht liebevoll tröstend, es war angeberisch. Ich fragte mich, kann das sein oder versucht sie nur als besonders gute Mutter mit einem besonders braven Kind im Mittelpunkt zu stehen? 


Wie gern hätte ich auch jeden Abend für mich/und meinen Partner und vor allem wie gern würde ich mal wieder acht Stunden durchschlafen. Und wenn das wirklich klappen kann,  was mache ich falsch?

Ich lernte eine andere Mom kennen, sie legte ihre Kids nach deren Abendritual ins Bett. Verabschiedete sich und die Kids schliefen ein. Wow -  schon die zweite, bei der das klappt. Das kann doch nicht sein! Ich quetschte sie aus. 

Das Gefühl von: „Da muss es doch einen Haken geben“ hat sich für mein Verständnis schnell bestätigt. Ich erfuhr, dass es da verschiedene Methoden gäbe, sein Kind auf diese Weise zum Schlafen zu bringen, sowohl für die Mutter als auch für das Kind. Es dauerte nur ein paar Tage und danach wären beide über den Berg. Ich wäre dann erlöst von dem nervigen, teilweise stundenlagen Zubettbring – und Einschlafritualen. Ich erfuhr, was die Methode war: Nachdem du alle Grundbedürfnisse deines Kindes gestillt hast, müsstest du es einfach schreien lassen, es beruhigt sich dann schon irgendwann von selbst.


Könntest du dir vorstellen dein Kind zwei Stunden im Bett schreien zu lassen (egal wie alt es ist)? Schließlich hast du es sicher schon von so vielen anderen Müttern/Großmüttern gehört, dass wenn das Kind erstmal verstanden hat, dass du nicht mehr kommst, wenn Schlafenszeit ist, es auch irgendwann „lernt und akzeptiert“, dass das Schreien nichts bringt und es dann einfach ruhe gibt und einschläft. 

Puh, harter Tobak für mich und mein Verständnis von „bedürfnisorientierter Erziehung“.

Ich wusste, dass das nichts für mich ist. Weder kann noch will ich mein Kind schreien lassen. Wenn meine Tochter weint, hat das einen Grund, und den will ich finden. Ich weiß nicht warum manche Eltern das können, ich möchte das auch nicht bewerten, doch das Gefühl, dass es nicht das Richtige ist hatte ich für mich ganz deutlich.

Die Kids der zweiten Mom sind schon was älter als meine Tochter. Sie erzählte mir vor ein paar Tagen, dass ihr älterer Sohn schon wieder so viele Probleme beim Einschlafen macht. Er hat Phasen, da möchte er auf dem Sofa bei den Eltern einschlafen oder sie muss sich zu ihm ins Bett legen, um nach einer Stunde festzustellen, dass er doch noch nicht eingeschlafen ist, und er auch nicht möchte das sie hinaus geht. Wenn sie es trotzdem tut ist das Geschrei groß. Sie haben Ärger in der Familie deswegen.


Im Gegensatz zu damals, als er sich nicht artikulieren konnte, ist der Sohn jetzt in der Lage seine Ängste und Gründe zu äußern. Aber das „warum“ kann er nicht benennen oder einordnen. 

Ich glaube ihr wisst worauf ich hinaus möchte: ich wünsche mir das Mamis in sich hineinhören und sich fragen: 

  • Was möchte ich? 

  • Was bin ich bereit zu geben? 

  • Was sind meine Prioritäten?

Und ja, ich war damals bereit, überwiegend unbewusst meine Priorität auf mein Kind zu legen. Bis zuletzt wo es endlich geklappt hat, war für mich das Einschlafen von allen Aufgaben als Mom die anstrengendste. Sich am Abend immer aufzuraffen, obwohl mal selbst geschafft ist vom eigenen (Arbeits)-Alltag, der Kinderbespaßung, der Stillung der Grundbedürfnisse und ja auch der Freizeitgestaltung, war und ist nicht immer leicht gewesen. 


Dennoch war es mir wichtiger, dass mein Kind sich darauf verlassen kann, dass ich da bin, wenn es am verletzlichsten ist – im Schlaf. 


Die Pfeiler einer vertrauensvollen Mutter-Kind-Bindung und stabilen Beziehung werden viel früher gelegt, als es sich die meisten vielleicht vorstellen können. Wenn das Kind erstmal selbstständig wird, glaubt es, alles allein schaffen zu können. Wenn das Urvertrauen zu den Eltern da ist, weiß es aber insgeheim, dass es das gar nicht muss.

Meine Tochter wird in den nächsten Tagen drei Jahre alt und sie schläft seit ca. zwei Monaten allein in ihrem Bett ein. Wie wir das hinbekommen haben erfahrt ihr gleich. Erst müsst ihr wissen, wie das bisher bei uns lief.


„Lila“ ist das Stichwort, und nein, damit meine ich nicht die schöne Farbe, sondern auf meiner Muttersprache bosnisch bedeutet lila „schaukeln“. Nachdem meine Maus fürs schaukeln im Arm zu schwer wurde, haben wir uns für die „ich lieg auf dem Sofa - Variante“ entschieden. 


Das heißt, einer von uns setzte sich auf Sofa, mit ausgestreckten Beinen, legte ein Kissen auf die Knie, die kleine darauf und los ging die Achterbahn. Hin und Her wiegen, bis sie tief und fest schlief. Dann konnten wir sie meistens problemlos in unser Bett ablegen. Irgendwann legten wir uns dazu und schliefen gemeinsam im Familienbett. Als sie größer wurde, legte ich sie dann in ihr Bett und sie kam nachts zu mir, oder rief mich ich soll sie holen. 


Ich erinnere mich, wie sehr mich dieses Ritual angestrengt hat, es ging zwar irgendwann immer schneller, aber so richtig cool war das nicht, vor allem wenn wir mal auswärts schliefen oder abends noch Besuch hatten.


Unser erster Versuch von „allein im Bett einschlafen“ lief folgendermaßen ab: 

Nach dem ich ihr Tage vorher schon erzählt hatte, wer aus dem Freundes- und Familienkreis schon alles groß ist und allein in seinem Bett schläft, durfte sie sich an dem großen Abend ein Buch aussuchen, dass ich ihr im Dämmerlicht vorlas. Voraussetzung beim Lesen war, dass die Augen geschlossen bleiben – daran musste ich immer wieder erinnern. Nach der Geschichte (es war übrigens die Raupe Nimmersatt die sie sich ausgesucht hatte und jeder weiß, wenn man gaaaanz langsam liest, ist man nach wenigen Minuten durch) beugte ich mich zu ihr, flüsterte ich ihr ins Ohr 

  • wie sehr ich sie liebe, 

  • dass ich drüben im Wohnzimmer bin und  

  • wann immer sie mich braucht rufen kann und ich sofort komme. 

Außerdem hatten wir ausgemacht, wenn sie es schafft, gibt’s morgen zum Frühstück ein leckeres Müsli. (Fun Fact: Meine Tochter findet Müsli viel cooler als Brot zum Frühstück  )

Warum eine Belohnung? Uns Erwachsene motivieren Belohnung doch auch. 

Ich glaube an dem Abend hat sie mich fünfmal zu sich gerufen und ich bin natürlich sofort gesprintet. Ziel war es ja, dass sie versteht, dass wenn ich sage, dass ich komme, sie sich darauf verlassen kann. 

Ich sage was ich tue. Ich tue was ich sage.​

Meine Worte und mein Handeln sind identisch. 

Das stärkt Vertrauen.

Beim letzten Mal Rennen sagte ich, dass jetzt wirklich Schlafenszeit ist und sie jetzt schlafen kann.

Es fruchtete. Sie wachte in dieser Nacht zweimal auf und rief mich.

Ich hetzte auch Nachts dann so schnell ich konnte, flüsterte ihr ins Ohr 

  • das ich in meinem Zimmer bin und sie jetzt einfach weiterschlafen kann 

  • und das sie es bald geschafft hat 

  • und dann Frühstücken wir ganz lecker zusammen. 

Sie schlief wirklich weiter. Seit dem, wurde jede Nacht nur noch besser und unkomplizierter.
Damit haben wir „ins Bett gehen“ neu besetzt. Früher: Auf Mamas Beinen schaukeln. Heute: ins eigene Bett gehen.

Vielleicht war alles nur Glück.
Vielleicht wird es auch wieder schwierigere Phasen geben.
Für den Moment ist es super. (Auch wenn sie mir manchmal Nachts zum kuscheln fehlt! )

Unsere Variante passt zu uns. Du wirst deine eigene coole Variante finden. Ich kenne jemanden, der hat mit seiner Tochter die Verabredung getroffen, dass er automatisch alle 3 Minuten ins Zimmer kommt und einmal schaut und winkt. Diese drei Minuten werden dann irgendwann gesteigert, bis man gar nicht mehr reingehen muss. Der Kreativität diesbezüglich sind keine Grenzen gesetzt. 

Erzähl uns gern von deinen Methoden und Tricks, die geholfen haben. 

Schlafendes Baby